Wertvoller Naturraum
attraktive Kulturlandschaften
Main - Saale - Wern

RP Beinhofer"Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist ein Anliegen der gesamten Menschheit."
Kofi Annan

Ich freue mich, dass wir mit dem sechsten LIFE+ Projekt in Unterfranken "Weinberge und Streuobst auf Muschelkalk" einen Beitrag zu dem von Kofi Annan  so kurz und treffend geschilderten Anliegen leisten können. Dass die EU unser Projekt fördert und wir mit dem europäischen Titel "LIFE+" werben dürfen, ist eine Auszeichnung. Damit spielen wir in Unterfranken im Naturschutz in der obersten Liga. Ich bin immer wieder beeindruckt von der Vielfalt der Natur Unterfrankens und erlebe sie gerne auf Ausflügen und Spaziergängen. Der Erhalt der biologischen Vielfalt betrifft uns alle. Die einen lieben Natur um ihrer selbst willen, die anderen sehen die Leistungen des Ökosystems, die im Rahmen der TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) erstmals volkswirtschaftlich berechnet wurden, wieder andere haben religiöse Gründe oder nutzen die Natur, um Sport zu treiben, oder als Kulisse für Kunst. Für sie alle hat Natur eine große Bedeutung. Ich halte deshalb die Vernetzung für ein zentrales Element eines LIFE+ Projekts: Die Vernetzung von Lebensäumen in der Natur, wie beim Netzwerk NATURA 2000,  aber auch die Vernetzung der Menschen untereinander, von Nutzern, Naturschützern, Einheimischen und Touristen. Nur so kann die Gemeinschaftsaufgabe gelingen. Und wo könnte diese Aufgabe schöner zu verwirklichen sein als direkt vor unserer Haustür!

Das Naturkapital im LIFE+ Projektgebiet, in den Landkreisen Bad Kissingen, Main-Spessart, im Landkreis und in der Stadt Würzburg, ist überwältigend. Durch die einzigartige Lage auf der Verbundachse zwischen dem Rhonetal in Frankreich und den Kaltsteppen Osteuropas treffen mediterrane (z.B. Apeninnen-Sonnenröschen) und kontinentale Arten (z.B. Küchenschelle) aufeinander. - In relativ hoher Dichte kommt hier die europäische Prominenz unter den Tier- und Pflanzenarten vor. 

Ich bin überzeugt, dass viele Menschen diese biologischen Zusammenhänge spannend finden. Für das LIFE+ Projekt wurde eine LIFE+ Naturführerin angestellt, die bei Naturerkundungen auf solche interessanten Zusammenhänge eingeht und die durchgeführten Naturschutzmaßnahmen verständlich erklärt. Sicher sind diese Naturerkundungen ein tolles Angebot für Einheimische, wie auch für Touristen - und ein guter Weg, Naturschutz und Tourismus in Einklang zu bringen.

Eine Ziegenherde zieht mit dem Auftrag, die Offenlandlebensräume von Verbuschung zu befreien, durch die Lande. Diese Naturschutzmaßnahme bietet nicht nur einen Arbeitsplatz für einen Hirten, sondern bereichert das Landschaftsbild, das viele Touristen in unsere Region lockt.

Aber nicht nur für das Auge hat die Natur einiges zu bieten, viele Menschen sind der Natur "auf den Geschmack gekommen": "Weinberge und Streuobst auf Muschelkalk" - so der Titel des LIFE+ Projekts. Da stelle ich mir auch einige kulinarische Genüsse vor. In zwei "Musterweinbergen", die nach traditionellem Vorbild angelegt und extensiv bewirtschaftet werden, wird LIFE+ Wein angebaut. Überzeugen Sie sich selbst von dem Geschmack alter Rebsorten aus naturverträglichem Anbau. Dass Naturschutz schmecken kann, zeigen auch Produkte wie Apfelsaft und -most aus den heimischen Streuobstbeständen. Diese Streuobstbestände bieten gleichzeitig zahlreichen Vogel- und Fledermausarten sowie Insekten einen Lebensraum.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Naturerleben im Lauf der Jahreszeiten mit unseren Besonderheiten wie der Küchenschelle im Frühjahr, zahlreichen Orchideenarten im Sommer, dem Französischen Ahorn im Herbst und der bunten Erdflechtengesellschaft im Winter. Wir können stolz sein auf die Natur "vor unserer Haustür". Deswegen bitte ich Sie, das LIFE+ Projekt "Weinberge und Streuobst auf Muschelkalk" zu unterstützen und somit zum Erhalt der biologischen Vielfalt beizutragen.

Ihr Dr. Paul Beinhofer,
Regierungspräsident von Unterfranken